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Das ungarische Steuersystem – der komplette Leitfaden für Auswanderer

Wer als Ausländer in Ungarn arbeitet, merkt schnell: Das Steuersystem wirkt unübersichtlich – vor allem, weil fast alle Unterlagen auf Ungarisch sind. Dieser Leitfaden erklärt die Regeln für 2026 verständlich: wie Sie Ihr Nettogehalt berechnen, welche Ermäßigungen Ihnen zustehen und was sich 2027 ändern soll.

Aktualisiert:

Das Wichtigste in Kürze
  • Wie hoch ist die Einkommensteuer in Ungarn 2026: Die ungarische Einkommensteuer beträgt einheitlich 15 %, ohne Progression.
  • Wann bin ich in Ungarn steuerlich ansässig: Wenn Sie Ihren ständigen Wohnsitz in Ungarn haben, der Mittelpunkt Ihrer Lebensinteressen hier liegt oder Sie sich mehr als 183 Tage im Kalenderjahr im Land…
  • Muss ich mein deutsches Einkommen in Ungarn angeben: Ja.
📢 Ausblick auf 2027: Die 2026 ins Amt gekommene Regierung plant, die effektive Einkommensteuer für Mindestlohnempfänger ab 2027 auf 9 % zu senken – über eine Steuergutschrift, mit gestaffelten Ermäßigungen bis etwa zum Medianlohn. Sobald die Regelung im ungarischen Amtsblatt erscheint, aktualisieren wir Rechner und Artikel unverzüglich. Eine Rechtsvorschrift dazu wurde noch nicht verkündet.

Die Grundlagen: Wer zahlt in Ungarn Steuern?

Die erste Frage ist nicht, wie hoch die Steuer ist, sondern wo Sie steuerpflichtig sind. Ungarn betrachtet Sie als steuerlich ansässig, wenn einer der folgenden Punkte zutrifft:

  • Sie haben Ihren ständigen Wohnsitz in Ungarn.
  • Der Mittelpunkt Ihrer Lebensinteressen liegt hier – also dort, wo Ihre Familie lebt und Ihre wirtschaftlichen Bindungen liegen.
  • Sie halten sich mehr als 183 Tage im Kalenderjahr im Land auf.

Sind Sie ansässig, versteuern Sie in Ungarn Ihr Welteinkommen – auch das, was Sie im Ausland verdienen. Sind Sie es nicht, zahlen Sie nur auf Einkünfte aus ungarischen Quellen.

Ein häufiges Missverständnis: In Ungarn zählt nicht die formale Anmeldung, sondern die tatsächliche Lebenssituation. Wer dauerhaft hier lebt und arbeitet, gilt als ungarischer Steuerzahler – unabhängig davon, ob er in Deutschland offiziell abgemeldet ist.

Doppelbesteuerungsabkommen

Ungarn hat mit über 80 Staaten ein Doppelbesteuerungsabkommen geschlossen, darunter Deutschland, Österreich und die Schweiz. Diese Abkommen verhindern, dass dasselbe Einkommen zweimal voll besteuert wird. Zwei Methoden kommen vor:

  • Freistellung mit Progressionsvorbehalt – das ausländische Einkommen bleibt in Ungarn steuerfrei. Da Ungarn einen einheitlichen Satz von 15 % hat, wirkt sich der Progressionsvorbehalt praktisch nicht aus.
  • Anrechnung – das Einkommen ist auch in Ungarn steuerpflichtig, die im Ausland gezahlte Steuer wird jedoch angerechnet.

Welche Methode gilt, steht im jeweiligen Abkommen. Für Deutschland und Österreich ist die Freistellung der Regelfall.

Die Steuersätze 2026

Das ungarische System ist in einem Punkt deutlich einfacher als das deutsche: Es gibt keine Steuerprogression bei der Einkommensteuer.

AbgabeSatzWer zahlt
Einkommensteuer (SZJA)15 %Arbeitnehmer
Sozialversicherungsbeitrag (TB)18,5 %Arbeitnehmer
Sozialabgabe (SZOCHO)13 %Arbeitgeber
Körperschaftsteuer (TAO)9 %Unternehmen
Umsatzsteuer (ÁFA)27 %Verbraucher

Vom Bruttogehalt werden also insgesamt 33,5 % abgezogen, sofern keine Ermäßigung greift. Der Arbeitgeber zahlt darüber hinaus 13 % Sozialabgabe – dieser Betrag erscheint nicht auf Ihrer Abrechnung, gehört aber zu den tatsächlichen Kosten Ihrer Beschäftigung.

Mindestlohn 2026

  • Mindestlohn: 322.800 HUF brutto im Monat
  • Garantierter Mindestlohn (für Tätigkeiten mit mindestens mittlerer Qualifikation): 373.200 HUF

Diese Zahlen sind wichtiger, als sie zunächst wirken: Zahlreiche Ermäßigungen und Beitragsuntergrenzen sind an den Mindestlohn gekoppelt.

So berechnen Sie Ihr Nettogehalt

Ein Beispiel mit einem Bruttogehalt von 500.000 HUF, ohne Ermäßigungen:

PositionBetrag
Bruttogehalt500.000 HUF
Einkommensteuer (15 %)−75.000 HUF
Sozialversicherung (18,5 %)−92.500 HUF
Nettogehalt332.500 HUF
Sozialabgabe des Arbeitgebers (13 %)+65.000 HUF
Gesamtkosten für den Arbeitgeber565.000 HUF

Mit Ermäßigungen kann das Netto deutlich höher ausfallen – bei jungen Arbeitnehmern und Müttern sogar bis zum vollen Bruttobetrag abzüglich der Sozialversicherung.

Berechnen Sie Ihre eigene Situation

Unser Brutto-Netto-Rechner berücksichtigt alle Ermäßigungen 2026 und zeigt Ihnen auch, was Ihre Beschäftigung den Arbeitgeber kostet.

Zum Brutto-Netto-Rechner →

Die Ermäßigungen – hier liegt das meiste Geld

Dieser Abschnitt ist der wichtigste des ganzen Leitfadens. Viele Auswanderer zahlen jahrelang die vollen 15 %, obwohl ihnen eine Ermäßigung zusteht.

1. Ermäßigung für unter 25-Jährige

Wer das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet hat, zahlt bis zu einem Bruttogehalt von 715.765 HUF im Monat gar keine Einkommensteuer. Das sind bis zu 107.365 HUF Ersparnis monatlich. Die Ermäßigung gilt automatisch, sofern der Arbeitgeber das Geburtsdatum kennt.

2. Ermäßigungen für Mütter (sehr weitreichend)

Vier Gruppen sind 2026 vollständig von der Einkommensteuer befreit:

  • NÉTAK – Mütter mit vier oder mehr Kindern, lebenslang und ohne Obergrenze; seit 2025 auch mit drei Kindern.
  • Mütter unter 30 – bereits mit einem Kind, ab 2026 ohne Einkommensgrenze.
  • KÉTAK – Mütter von zwei Kindern unter 40 (stufenweise Einführung).
  • CSED, GYED und Adoptionsgeld – ab 2026 vollständig steuerfrei.

3. Ermäßigung für Erstverheiratete

Wer zum ersten Mal geheiratet hat, kann 24 Monate lang 5.000 HUF im Monat sparen. Voraussetzung ist, dass mindestens einer der Partner zum ersten Mal verheiratet ist.

4. Familienermäßigung (2026 verdoppelt)

Die wohl bedeutendste Änderung des Jahres:

  • 1 Kind: 20.000 HUF Steuerersparnis im Monat
  • 2 Kinder: 40.000 HUF je Kind im Monat
  • 3 oder mehr Kinder: 66.000 HUF je Kind im Monat

Reicht die Einkommensteuer nicht aus, lässt sich der Rest gegen den Sozialversicherungsbeitrag von 18,5 % verrechnen. Die Ermäßigung kann zwischen den Eltern aufgeteilt werden.

5. Persönliche Ermäßigung (chronische Erkrankung)

Bei einer in der Regierungsverordnung 335/2009 aufgeführten Erkrankung stehen Ihnen 16.140 HUF im Monat zu. Die Liste ist breiter, als viele annehmen: Sie umfasst unter anderem Diabetes, Zöliakie, Laktoseintoleranz, Asthma und Morbus Crohn. Diese Ermäßigung lässt sich zudem bis zu 5 Jahre rückwirkend beantragen.

6. Erstattung auf Ersparnisse (20 %)

Auf Einzahlungen in freiwillige Rentenkassen, Gesundheitskassen und Rentenversicherungen erhalten Sie 20 % zurück – bis zu 280.000 HUF im Jahr. Wichtig: Wer vollständig steuerbefreit ist, kann diese Erstattung nicht nutzen, da keine Steuer zum Erstatten übrig bleibt.

Der Steuerentwurf der NAV

Ab dem 15. März stellt die ungarische Steuerbehörde NAV im Portal eszja.nav.gov.hu einen fertigen Entwurf Ihrer Steuererklärung bereit. Für den Zugang benötigen Sie Ügyfélkapu+, den ungarischen elektronischen Behördenzugang.

Für Arbeitnehmer mit ausschließlich ungarischem Gehalt ist der Entwurf meist korrekt – Sie müssen ihn nur prüfen und annehmen. Geschieht nichts, gilt er zum 20. Mai automatisch als eingereicht.

Wichtig für Auswanderer: Der Entwurf enthält niemals Ihr Auslandseinkommen, Mieteinnahmen oder Gewinne aus Immobilienverkäufen. Diese Angaben müssen Sie selbst ergänzen – die NAV hat dazu keine Daten.

Als Einzelunternehmer (egyéni vállalkozó)

Viele Auswanderer arbeiten in Ungarn selbstständig. Dann stehen Ihnen im Wesentlichen drei Wege offen:

  • Pauschalsteuer (átalányadó) – der beliebteste Weg. Das Gesetz erkennt automatisch eine Kostenpauschale an: 45 % bei allgemeinen Tätigkeiten, 80 % im Handwerk, 90 % im Einzelhandel. Bis zu einem Jahreseinkommen von 1.936.800 HUF fällt gar keine Steuer an.
  • Einzelnachweis – Sie weisen alle Kosten mit Rechnungen nach und zahlen 9 % auf den tatsächlichen Gewinn. Lohnt sich bei hohen Betriebsausgaben.
  • KATA – seit 2022 stark eingeschränkt: nur für hauptberufliche Einzelunternehmer, die ausschließlich an Privatpersonen fakturieren. 50.000 HUF im Monat, Jahresgrenze 18 Mio. HUF.

Ein Punkt, den Zugezogene oft unterschätzen: Als hauptberuflicher Unternehmer zahlen Sie Beiträge mindestens auf den Mindestlohn – auch in Monaten ohne Einnahmen. Das sind über 100.000 HUF feste Belastung.

Praktische Hinweise für Auswanderer

Auslandseinkommen richtig behandeln

Wenn Sie in Ungarn ansässig sind und weiterhin Einkünfte aus Deutschland oder Österreich beziehen – etwa Mieten, Zinsen oder eine Rente –, müssen Sie diese in der ungarischen Erklärung angeben, selbst wenn nach dem Abkommen keine ungarische Steuer anfällt. Die Erklärungspflicht besteht unabhängig von der Steuerpflicht.

Sozialversicherung und die A1-Bescheinigung

Die Sozialversicherung folgt eigenen Regeln, nicht denen der Steuer. Wer vorübergehend entsandt ist, kann mit einer A1-Bescheinigung im Heimatsystem bleiben. Wer dauerhaft in Ungarn arbeitet, wird hier versichert und erhält eine TAJ-Karte für die Gesundheitsversorgung.

Steuernummer und Behördenzugang

Sie benötigen eine ungarische Steueridentifikationsnummer (adóazonosító jel) und für die Online-Verwaltung Ügyfélkapu+. Beides sollten Sie früh beantragen – ohne diese Zugänge lässt sich kaum etwas erledigen.

Die wichtigsten Fristen 2026

TerminWas ist zu tun
15. MärzDer Steuerentwurf (eSZJA) wird verfügbar
20. MaiFrist für die Einkommensteuererklärung und die 1+1-%-Erklärung
31. MaiErklärung zur lokalen Gewerbesteuer (HIPA)
12. Januar / April / Juli / OktoberVierteljährliche Vorauszahlungen für Selbstständige
15. AprilKfz-Steuer in einer Summe

Häufig gestellte Fragen

Muss ich in Ungarn eine Steuererklärung abgeben, wenn ich nur Gehalt beziehe?

In der Regel genügt es, den Entwurf der NAV zu prüfen und anzunehmen. Reagieren Sie nicht, gilt er zum 20. Mai als eingereicht. Ergänzen müssen Sie ihn nur, wenn Sie Einkünfte hatten, die der NAV nicht bekannt sind.

Zahle ich doppelt, wenn ich auch in Deutschland Einkünfte habe?

Nein. Das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Ungarn und Deutschland verhindert das. Entweder bleibt das deutsche Einkommen in Ungarn steuerfrei, oder die dort gezahlte Steuer wird angerechnet. Die Erklärungspflicht in Ungarn bleibt allerdings bestehen.

Lohnt sich Ungarn steuerlich wirklich?

Bei der Einkommensteuer ja: 15 % einheitlich statt eines progressiven Tarifs. Auch die Körperschaftsteuer von 9 % ist die niedrigste in der EU. Dem stehen jedoch die höchste Umsatzsteuer Europas (27 %) und vergleichsweise hohe Sozialabgaben gegenüber. Für Arbeitnehmer und Unternehmer fällt die Rechnung meist günstig aus, für Konsum weniger.

Was ändert sich 2027?

Geplant ist eine Senkung der effektiven Einkommensteuer auf 9 % für Mindestlohnempfänger, mit gestaffelten Ermäßigungen darüber. Die Einzelheiten stehen erst mit der Veröffentlichung im Amtsblatt fest.

Nützliche Anlaufstellen

  • nav.gov.hu – die ungarische Steuer- und Zollverwaltung; einzelne Seiten auch auf Englisch
  • eszja.nav.gov.hu – Portal für den Steuerentwurf
  • magyarorszag.hu – zentrales Behördenportal, hier beantragen Sie Ügyfélkapu+

Für komplexere Fälle – Auslandseinkommen, Unternehmensgründung, doppelte Ansässigkeit – ist ein ungarischer Steuerberater mit Erfahrung im internationalen Steuerrecht die sicherere Wahl. Viele Kanzleien in Budapest beraten auf Deutsch.

Quellen und Prüfung

Geprüft anhand der folgenden Quellen im September 2026. Redaktion: Norbert E.

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