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Körperschaftsteuer in Ungarn – 9 %, der niedrigste Satz der EU

Ungarn wirbt seit Jahren mit der niedrigsten Körperschaftsteuer der Europäischen Union. Der Satz von 9 % ist tatsächlich einheitlich und gilt für jede Unternehmensgröße. Was dabei oft untergeht: Die Steuer auf den Unternehmensgewinn ist nur die erste Stufe. Dieser Leitfaden rechnet durch, was am Ende bei Ihnen ankommt – und wo die typischen Fallstricke liegen.

Aktualisiert:

Das Wichtigste in Kürze
  • Wie hoch ist die Körperschaftsteuer in Ungarn: Die ungarische Körperschaftsteuer beträgt einheitlich 9 % und ist damit der niedrigste Satz in der Europäischen Union.
  • Wie viel bleibt nach der Dividendenausschüttung übrig: Aus 10 Millionen Forint Gewinn vor Steuern bleiben nach 9 % Körperschaftsteuer, 15 % Einkommensteuer und 13 % Sozialabgabe rund 6,73 Millionen Forint.
  • Was ist der Unterschied zwischen TAO und KIVA: TAO beträgt 9 % auf den korrigierten Gewinn, KIVA 10 % auf Personalaufwand und ausgeschütteten Gewinn.
📢 Die drei Zahlen, die zählen: 9 % Körperschaftsteuer auf den Unternehmensgewinn, danach 15 % Einkommensteuer und – bis zu einer Jahresgrenze – 13 % Sozialabgabe auf die ausgeschüttete Dividende. Aus 10 Millionen Forint Gewinn vor Steuern bleiben so rund 6,73 Millionen in Ihrer Tasche.

Für wen gilt die Körperschaftsteuer?

Die ungarische Körperschaftsteuer – auf Ungarisch társasági adó, kurz TAO – betrifft Kapital- und Personengesellschaften:

  • Kft (korlátolt felelősségű társaság) – das ungarische Pendant zur GmbH, die mit Abstand häufigste Form
  • Bt (betéti társaság) – vergleichbar mit der Kommanditgesellschaft
  • Zrt (zártkörűen működő részvénytársaság) – die nicht börsennotierte Aktiengesellschaft
  • Vereine und Stiftungen, soweit sie unternehmerisch tätig sind

Nicht betroffen sind Einzelunternehmer (egyéni vállalkozó): Sie zahlen Einkommensteuer, nicht Körperschaftsteuer. Wer als Freiberufler nach Ungarn kommt, sollte deshalb zuerst prüfen, ob eine Kft überhaupt der richtige Weg ist.

Zum Vergleich: In Deutschland kommen Körperschaftsteuer, Solidaritätszuschlag und Gewerbesteuer zusammen auf rund 30 %, in Österreich beträgt die Körperschaftsteuer 23 %. Die ungarischen 9 % sind also kein Marketingversprechen, sondern der tatsächliche gesetzliche Satz.

Die Bemessungsgrundlage ist nicht einfach der Gewinn

Hier liegt der häufigste Irrtum. Die 9 % werden nicht auf den handelsrechtlichen Gewinn angewendet, sondern auf eine korrigierte Bemessungsgrundlage. Das Gesetz kennt zahlreiche Hinzurechnungen und Kürzungen.

Typische Hinzurechnungen (erhöhen die Steuer)

  • Aufwendungen, die nicht im Interesse des Unternehmens angefallen sind
  • Die Differenz zwischen handelsrechtlicher und steuerlicher Abschreibung
  • Bestimmte Rückstellungen
  • Bußgelder und Säumniszuschläge

Typische Kürzungen (senken die Steuer)

  • Verlustvorträge aus früheren Jahren
  • Aufwendungen für Forschung und Entwicklung
  • Bestimmte Spenden und Förderungen
  • Beschäftigungsbezogene Vergünstigungen

In der Praxis liegt die Bemessungsgrundlage bei einem gut geführten Unternehmen nah am Gewinn – aber eben nicht identisch. Deshalb ist die Buchhaltung hier kein Formalismus.

Die Mindestbemessungsregel (jövedelem-minimum)

Eine Besonderheit, die deutschen Unternehmern selten geläufig ist: Weist Ihr Unternehmen einen sehr niedrigen Gewinn aus, kann die NAV unterstellen, dass Sie mindestens 2 % des korrigierten Gesamtumsatzes hätten verdienen müssen.

Dann haben Sie zwei Möglichkeiten:

  • Sie versteuern diese Mindestbemessungsgrundlage, oder
  • Sie erklären in einer gesonderten Anlage detailliert, warum Ihr Ergebnis niedriger ausfällt.

Die zweite Variante ist zulässig, erhöht aber erfahrungsgemäß die Wahrscheinlichkeit einer Prüfung. Bei einem Umsatz von 50 Millionen Forint und einem Gewinn unter 1 Million wäre das etwa der Fall.

Rechnen Sie Ihren Fall durch

Unser Körperschaftsteuer-Rechner zeigt die fällige Steuer und – wenn Sie möchten – auch, wie viel nach einer Dividendenausschüttung tatsächlich bei Ihnen ankommt.

Zum Körperschaftsteuer-Rechner →

Von 10 Millionen Gewinn zu 6,73 Millionen in der Tasche

Ein durchgerechnetes Beispiel – der Weg vom Unternehmensgewinn zum privaten Konto:

SchrittBetrag
Gewinn vor Steuern10.000.000 HUF
Körperschaftsteuer (9 %)−900.000 HUF
Gewinn nach Steuern9.100.000 HUF
Einkommensteuer auf Dividende (15 %)−1.365.000 HUF
Sozialabgabe auf Dividende (13 %)−1.007.136 HUF
Netto in Ihrer Hand6.727.864 HUF

Die effektive Gesamtbelastung liegt damit bei rund 32,7 % – immer noch günstig, aber deutlich mehr als die oft zitierten 9 %.

Die Obergrenze der Sozialabgabe: Die 13 % fallen nur bis zu einer jährlichen Bemessungsgrenze von 7.747.200 HUF an (dem 24-Fachen des Mindestlohns). Alles darüber unterliegt nur noch der Einkommensteuer von 15 %. Bei hohen Ausschüttungen sinkt die effektive Belastung dadurch spürbar – ein Punkt, der bei der Planung viel ausmacht.

TAO oder KIVA – die zweite Option

Neben der klassischen Körperschaftsteuer gibt es die Kleinunternehmenssteuer KIVA mit einem Satz von 10 %. Auf den ersten Blick wirkt das schlechter, doch KIVA ersetzt auch die Sozialabgabe von 13 % auf die Löhne.

TAOKIVA
Satz9 %10 %
Bemessungsgrundlagekorrigierter GewinnPersonalaufwand + ausgeschütteter Gewinn
Ersetzt die Sozialabgabeneinja
Grenzekeine100 Beschäftigte, 6 Mrd. HUF Umsatz

Faustregel: KIVA lohnt sich meist bei hoher Lohnquote – also wenn ein großer Teil der Kosten aus Gehältern besteht, etwa bei Dienstleistern, Agenturen und IT-Firmen. Bei kapitalintensiven Unternehmen mit wenigen Beschäftigten ist TAO in der Regel günstiger.

Der Wechsel ist an Fristen gebunden und will gerechnet sein – hier lohnt sich der Vergleich mit einem Steuerberater wirklich.

Was in der 9-Prozent-Rechnung meist fehlt

Die lokale Gewerbesteuer (HIPA)

Jede Gemeinde erhebt eine Gewerbesteuer von bis zu 2 %. Bemessungsgrundlage ist jedoch nicht der Gewinn, sondern der Nettoumsatz abzüglich bestimmter Posten (Wareneinsatz, Material, vermittelte Leistungen).

Das ist der entscheidende Unterschied: Die HIPA fällt auch dann an, wenn Ihr Unternehmen keinen Gewinn macht. In Budapest beträgt der Satz die vollen 2 %; einige kleinere Gemeinden erheben weniger oder gar nichts, was manche Unternehmen bei der Standortwahl berücksichtigen.

Der Geschäftsführer braucht ein Versicherungsverhältnis

Wer als Gesellschafter-Geschäftsführer persönlich mitarbeitet, muss in der Regel ein Versicherungsverhältnis begründen – als Arbeitsverhältnis oder als Auftragsverhältnis. Reine Dividendenentnahme ohne Gehalt bedeutet: keine Rentenanwartschaft, kein Krankengeld, kein Anspruch auf Gesundheitsleistungen.

Deshalb ist in der Praxis eine Mischung üblich: Gehalt in Höhe des Mindestlohns oder des garantierten Mindestlohns für die Absicherung, der Rest als Dividende.

Die Umsatzsteuer von 27 %

Ungarn hat den höchsten Regelsatz der EU. Für Unternehmen ist das meist ein durchlaufender Posten, für den Cashflow aber relevant – und bei Geschäften mit Privatkunden ein echter Preisfaktor.

Fristen und Pflichten im Jahresverlauf

TerminWas ist zu tun
31. MaiKörperschaftsteuererklärung und Jahresabschluss für das Vorjahr
31. MaiErklärung zur lokalen Gewerbesteuer (HIPA)
15. März / 15. SeptemberHIPA-Vorauszahlungen
20. des FolgemonatsUmsatzsteuervoranmeldung (bei monatlicher Erklärung)
20. DezemberAuffüllungspflicht bei der Körperschaftsteuer (für bestimmte Unternehmen)

Dividenden dürfen erst nach Feststellung des Jahresabschlusses und nur aus dem Gewinn nach Steuern ausgeschüttet werden. Eine unterjährige Vorabausschüttung ist möglich, erfordert aber eine Zwischenbilanz – und muss zurückgezahlt werden, wenn das Jahresergebnis sie nicht deckt.

Häufig gestellte Fragen

Lohnt sich eine ungarische Kft für einen deutschen Unternehmer?

Das hängt davon ab, wo Sie tatsächlich tätig sind. Eine Kft, die real in Ungarn wirtschaftet – mit Büro, Mitarbeitern und Kunden –, ist steuerlich attraktiv. Eine reine Briefkastenfirma bei fortbestehendem Lebensmittelpunkt in Deutschland ist dagegen riskant: Die deutsche Finanzverwaltung prüft in solchen Fällen die Geschäftsleitung, und es drohen Hinzurechnungsbesteuerung und Nachzahlungen.

Wie schnell lässt sich eine Kft gründen?

Bei elektronischer Gründung mit Standardvertrag oft innerhalb weniger Werktage. Das Mindeststammkapital beträgt 3 Millionen Forint und muss nicht sofort vollständig eingezahlt werden. Ein ungarischer Anwalt ist für die Gründung vorgeschrieben.

Muss ich Ungarisch sprechen?

Für die Buchhaltung und die Behördenkommunikation praktisch ja – deshalb arbeiten fast alle ausländischen Unternehmer mit einem ungarischen Buchhalter. Viele Kanzleien in Budapest betreuen deutschsprachige Mandanten.

Was passiert bei Verlusten?

Verluste können vorgetragen und mit künftigen Gewinnen verrechnet werden, allerdings mit gesetzlichen Beschränkungen bei Umfang und Zeitraum. Achten Sie zugleich auf die Mindestbemessungsregel: Ein dauerhaft niedriges Ergebnis zieht Aufmerksamkeit auf sich.