Die TAJ-Karte – Krankenversicherung in Ungarn für Zugezogene
Ohne TAJ-Karte läuft in der ungarischen Gesundheitsversorgung wenig. Sie ist der Nachweis dafür, dass Sie im staatlichen System versichert sind – und die Voraussetzung dafür, dass ein Arztbesuch nicht privat abgerechnet wird. Dieser Leitfaden erklärt, wie Sie die Karte bekommen, welche Wege es gibt, wenn Sie nicht angestellt sind, und was die Versorgung praktisch bedeutet.
Aktualisiert:
- Was ist die TAJ-Karte in Ungarn: Die TAJ-Karte trägt die ungarische Sozialversicherungs-Kennnummer und weist Sie als Versicherten im staatlichen Gesundheitssystem aus.
- Ersetzt die deutsche EHIC-Karte die TAJ-Karte: Nein.
- Wie bekomme ich eine TAJ-Karte, wenn ich nicht angestellt bin: Sie können sich freiwillig über den Beitrag für Gesundheitsdienstleistungen versichern.
Für Ihre eigene Situation berechnen: Zum Brutto-Netto-Rechner – kostenlos, ohne Registrierung.
Was ist die TAJ-Karte?
TAJ steht für Társadalombiztosítási Azonosító Jel – die Sozialversicherungs-Kennnummer. Die Karte ist ein schlichtes Plastikkärtchen mit einer neunstelligen Nummer und Ihrem Namen. Kein Foto, kein Chip, kein Ablaufdatum.
Diese Nummer ist Ihr Schlüssel zum staatlichen Gesundheitssystem. Sie wird beim Hausarzt, im Krankenhaus, in der Apotheke bei rezeptpflichtigen Medikamenten und bei jeder Facharztüberweisung verlangt.
Wer bekommt automatisch eine TAJ-Karte?
In den meisten Fällen müssen Sie sich gar nicht selbst kümmern. Anspruch besteht automatisch, wenn Sie:
- in Ungarn in einem Arbeitsverhältnis stehen – der Arbeitgeber meldet Sie an,
- als Einzelunternehmer (egyéni vállalkozó) Beiträge zahlen,
- als Gesellschafter-Geschäftsführer ein Versicherungsverhältnis haben,
- eine ungarische Rente oder bestimmte Sozialleistungen beziehen,
- Familienangehöriger einer versicherten Person sind (Ehepartner, Kinder unter bestimmten Voraussetzungen).
Der Arbeitgeber übernimmt die Anmeldung bei der Sozialversicherung. Die Karte kommt per Post oder wird bei der zuständigen Regierungsbehörde ausgestellt – rechnen Sie mit ein bis drei Wochen.
Wie beantragen Sie die Karte selbst?
Wenn die Anmeldung nicht über einen Arbeitgeber läuft, gehen Sie zum Kormányablak – dem zentralen Bürgerbüro, das es in jeder größeren Stadt gibt.
Was Sie mitbringen sollten
- Personalausweis oder Reisepass
- Registrierungsbescheinigung für EU-Bürger (regisztrációs igazolás) – der ungarische Aufenthaltsnachweis
- Wohnsitzbescheinigung (lakcímkártya) mit der ungarischen Adresse
- Nachweis über den Versicherungsgrund – Arbeitsvertrag, Gewerbeanmeldung oder Rentenbescheid
Als EU-Bürger benötigen Sie kein Visum, wohl aber die Registrierungsbescheinigung, wenn Sie länger als 90 Tage bleiben. Diese beantragen Sie bei der Einwanderungsbehörde und brauchen sie ohnehin für fast jede Verwaltungsangelegenheit.
Was zahlen Sie in die Sozialversicherung ein?
Unser Brutto-Netto-Rechner zeigt genau, wie viel von Ihrem Gehalt für Sozialversicherung und Steuer abgeht – und was Ihr Arbeitgeber zusätzlich trägt.
Zum Brutto-Netto-Rechner →Wenn Sie nicht angestellt sind: die freiwillige Versicherung
Selbstständige ohne ungarisches Gewerbe, Privatiers, Studierende außerhalb eines Abkommens oder Ehepartner ohne eigenen Anspruch können sich freiwillig versichern.
Das läuft über die sogenannte egészségügyi szolgáltatási járulék – den Beitrag für Gesundheitsdienstleistungen. Sie melden sich mit dem Formular T1011 bei der NAV an und zahlen einen festen Monatsbeitrag, der jährlich angepasst wird und im niedrigen zweistelligen Eurobereich liegt.
Zwei Punkte, die überraschen
- Es gibt eine Wartezeit. Wer neu einzahlt, hat in den ersten Monaten nur eingeschränkten Anspruch. Planen Sie das ein, wenn Sie eine Behandlung erwarten.
- Der Beitrag deckt nur die Sachleistungen ab. Kein Krankengeld, keine Rentenanwartschaft – dafür brauchen Sie ein echtes Versicherungsverhältnis.
Was die staatliche Versorgung abdeckt – und was nicht
Mit gültiger TAJ-Karte stehen Ihnen offen:
- Hausarzt (háziorvos) – die erste Anlaufstelle für fast alles
- Facharzt mit Überweisung
- Krankenhausbehandlung und Notfallversorgung
- Rezeptpflichtige Medikamente mit staatlichem Zuschuss
Die Notfallversorgung erhält übrigens jeder – auch ohne TAJ-Karte und unabhängig von der Staatsangehörigkeit. Ohne Versicherung wird sie Ihnen jedoch später in Rechnung gestellt.
Wo die Grenzen liegen
Zahnbehandlungen sind für Erwachsene nur eingeschränkt abgedeckt – im Wesentlichen Schmerzbehandlung und Zahnextraktion. Zahnersatz, Kronen und ästhetische Behandlungen zahlen Sie selbst. Genau deshalb ist Ungarn ein Ziel für Zahntourismus: Die Privatpreise liegen deutlich unter den deutschen.
Ebenfalls nicht enthalten: Sehhilfen für Erwachsene, die meisten Vorsorgeuntersuchungen außerhalb der gesetzlichen Programme und Wahlleistungen im Krankenhaus.
Beim Arzt – was Sie praktisch erwartet
Sie melden sich bei einem Hausarzt in Ihrem Wohnbezirk an; die Zuordnung erfolgt nach Adresse, ein Wechsel ist aber möglich. Der Hausarzt ist der Türöffner: Ohne seine Überweisung kommen Sie zu den meisten Fachärzten nicht.
Rechnen Sie damit, dass Sie in staatlichen Einrichtungen außerhalb Budapests nicht immer auf Deutsch oder Englisch kommunizieren können. In der Hauptstadt gibt es zahlreiche Praxen mit deutschsprachigem Personal, häufig im privaten Bereich.
Für Rezepte gilt: Der Arzt stellt sie elektronisch aus, Sie holen das Medikament mit Ihrer TAJ-Nummer und dem Ausweis in jeder Apotheke ab – ein Papierrezept ist nicht nötig.
Was passiert mit Ihrer deutschen Versicherung?
Wenn Sie dauerhaft nach Ungarn ziehen und hier arbeiten, endet die Versicherungspflicht in Deutschland. Die gesetzliche Krankenkasse sollten Sie aktiv abmelden – sonst laufen dort unter Umständen weiter Beiträge auf.
Zwei Sonderfälle sind wichtig:
- Entsendung: Mit einer A1-Bescheinigung bleiben Sie im deutschen System und brauchen keine ungarische Versicherung. Details dazu im Artikel zur A1-Bescheinigung.
- Rentner: Wer eine deutsche Rente bezieht und nach Ungarn zieht, bleibt in der Regel im deutschen System versichert und erhält mit dem Formular S1 Zugang zur ungarischen Versorgung. Die Kosten rechnen die Träger untereinander ab.
Häufig gestellte Fragen
Wie lange dauert es, bis ich die TAJ-Karte habe?
Bei Anmeldung über den Arbeitgeber meist ein bis drei Wochen. Bei eigener Beantragung im Kormányablak kann es schneller gehen – teils erhalten Sie die Nummer sofort und die Karte kommt nach.
Was kostet die Karte?
Die Ausstellung ist kostenlos. Bezahlt wird über die laufenden Beiträge: 18,5 % vom Bruttogehalt beim Arbeitnehmer, davon 7 % für die Krankenversicherung.
Meine Karte ist weg – was tun?
Die Nummer bleibt dieselbe, nur die Karte wird neu ausgestellt. Das erledigen Sie im Kormányablak; die Nummer selbst finden Sie auch in Ihrem Ügyfélkapu-Konto.
Gilt die TAJ-Karte auch im Ausland?
Nein, sie ist ein rein ungarisches Dokument. Für Reisen innerhalb der EU beantragen Sie eine ungarische EHIC-Karte – ebenfalls kostenlos, ebenfalls über die Regierungsbehörde oder online.
Ich arbeite remote für eine deutsche Firma und lebe in Ungarn. Wo bin ich versichert?
Wer gewöhnlich von Ungarn aus arbeitet, ist grundsätzlich hier sozialversichert – auch wenn der Arbeitgeber in Deutschland sitzt. Der Arbeitgeber muss sich dann in Ungarn registrieren. Das ist der Fall, der in der Praxis am häufigsten falsch eingeschätzt wird, und er sollte vor dem Umzug geklärt werden.